Cezary Gapik – The Sum Of Disappearing Sounds | review by Raphael Feldmann (Kulturterrorismus)

Posted on March 5, 2012

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Nicht nur an Ce­za­ry Gapik schei­den sich die Geis­ter, üb­ri­gens an mei­ner Per­son auch, der in dem Ham­bur­ger Label Karl­re­cor­ds einen groß­ar­ti­gen Ver­le­ger für seine jüngs­te Ar­beit “The sum of disap­pearing sounds” fand, wel­che mas­si­ve Dro­nes, deren Wur­zeln im In­dus­tri­al lie­gen, zu­ta­ge för­dert.Schmal, aus­ge­wählt und ex­zel­lent, dürf­te die pas­sen­de Um­schrei­bung für den Back­ka­ta­log von Karl­re­cor­ds sein, wo “The sum of disap­pearing sounds” in einer hoch­wer­ti­gen Auf­la­ge von 222 Ex­em­pla­ren im ge­schmack­voll ge­stal­te­ten Di­gi­pack (Bil­der by Suse Kipp) das Licht der Welt er­blickt.

Im Geis­te der ver­blass­ten In­dus­tri­al Hel­den Throb­bing Grist­le & Ca­ba­ret Vol­taire zu se­geln, stellt im Vor­hin­ein kein Pro­blem dar, auch nicht die Tat­sa­che, sein Ma­te­ri­al unter der Flag­ge “am­bi­ent de­pres­sio­nism” an­zu­prei­sen, aber Span­nungs­kur­ven der­art zu über­dre­hen, dass sich beim Kon­sum der Ver­dacht auf­drängt, Ce­za­ry Gapik kommt nicht auf den Punkt, lässt spä­tes­tens im zwei­ten Durch­lauf an “The sum of disap­pearing sounds” zwei­feln, das hand­werk­lich ohne Frage ge­fal­len mag, bloß Lang­at­mig­keit be­nö­tigt nie­mand in einer Sze­ne­rie, wo jähr­lich Un­men­gen an Re­lea­ses er­schei­nen, die sich fast nur noch in einem Punkt un­ter­schei­den, dem Er­grei­fen bzw. Mit­neh­men der Hö­re­rin bzw. des Hö­rers, wel­che(r) hier de­fi­ni­tiv die “Wei­ter-Tas­te” be­müht, um End­lo­s­pas­sa­gen, deren Sinn sich mir nicht er­schlie­ßen will, zu ent­flie­hen. Auch wenn ich sei­nen Hang zu äu­ßerst wei­ten Sphä­ren be­rück­sich­ti­ge, müs­sen diese ge­nau­so ir­gend­wann pa­cken bzw. ver­füh­ren und vor allen Din­gen zu­sam­men pas­sen, das die Fra­gen auf­wirft “Was den Prot­ago­nis­ten dazu an­treibt, einen mu­si­ka­lisch völ­lig ab­we­gi­ges Ton­do­ku­ment (‘Idio­mat’) auf “The sum of disap­pearing sounds” zu pa­cken, wel­ches den kom­plet­ten Fluss der Ver­öf­fent­li­chung zer­stört, deren Struk­tu­ren an­sons­ten her­vor­ra­gend mit­ein­an­der har­mo­nie­ren?” – ent­we­der sucht der Ost­eu­ro­pä­er Wege, seine halb­wegs ge­lun­ge­ne Leis­tung selbst zu zer­stö­ren oder ‘Idio­mat’ ist einer die­ser be­rühmt be­rüch­tig­ten, somit über­flüs­si­gen, Lü­cken­fül­ler.

Fazit:

Bis auf ‘Idio­mat’, lie­fert Ce­za­ry Gapik mit “The sum of disap­pe­ring sounds” eine ge­schlos­se­ne Leis­tung ab, deren Span­nungs­bö­gen lei­der mehr­heit­lich im Nir­gend­wo enden, wen die­ser Zu­stand nicht stört – Bit­te­schön! PS: In der Kürze liegt die Würze!

Raphael Feldmann (Kulturterrorismus)
 

Posted in: Music